Trimix Tauchen in Kroatien  
     
  Vor 3 Jahren startete der Erste Österreichische Berufstauchlehrerverband ein Pilotprojekt im Bereich des Technical Diving. Erstmals wurde damals Mischgastauchen ins Ausbildungsprogramm des 1. ÖBV aufgenommen um dies in Zukunft interessierten Tauchern anbieten zu können. Dazu war es zunächst notwendig Tauchlehrer für diesen neuen Bereich auszubilden.  
     
  Die Latte lag hoch, denn Technical Diving ist keine Spielwiese für Tiefenjunkies, Fehler in diesem Bereich enden leicht tödlich. Der 1. ÖBV musste daher die gleichen hohen Qualitätsanforderungen seiner Ausbildungen, die er im Sporttauchen gesetzt hat, auch im Technical Diving erreichen.  
     
  Um diese Anforderungen zu erfüllen, wurde als Ausbildner für dieses Pilotprojekt Olaf Götsch engagiert, der in der aller obersten Tauchliga mitspielte. Sein taucherischer Lebenslauf ist fast schon unglaublich: Götsch war ehemaliger Elite-Soldat der deutschen Bundeswehr, Tauchlehrer auf Tauchbasen in Spanien und Frankreich, war Industrie- & Arbeitstaucher, war Einsatzleiter bei archäologischen UW-Expeditionen, war als Experte für UW-Szenen in Aktionfilmen engagiert, hat 3 Weltrekorde aufgestellt (Luftanhalten unter Wasser: 8 Min 32 Sek., Apnoe-Gehen unter Wasser: 101 Meter und Streckentauchen im Team über 24 Stunden), war Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied des deutschen Tec Verbandes PADT, war Referent auf der G-Tech Konferenz, entwickelte die Ausrüstungskonfiguration KIS, entwickelte ein eigenes Kreislaufgerät und war beteiligt an der Entwicklung des schnellsten UW-Scooters, der heute im militärischen Bereich eingesetzt wird.  
   
  Siegfried Lobnig (Siggi) und ich hatten 3 Jahre lang das Vergnügen und die Ehre vieles von dem Wissen, das sich Olaf Götsch in 15 Jahren Mischgastauchen und in 181 Trimix Tauchgängen angeeignet hatte, übermittelt zu bekommen. Olaf hat sich heute weitgehend aus den Tecnical Diving zurückgezogen. Er kündigte an, dass der Trimix Kurs in Kroatien der letzte Technical Diving Kurs sein wird, den er abhalten wird und Siggi und ich wussten, dass wir niemals wieder der Chance haben würden, eine bessere Ausbildung zum Tauchlehrer für Trimix zu bekommen.  
     
  Nach dem Advanced Nitrox Kurs am Zeller See im Jahre 2004 und dem Technical Nitrox Kurs in Pula, Kroatien, im September 2005, trafen sich Olaf, Siggi und ich heuer in Šilo auf der Insel Krk, Kroatien. Das Wetter war gut, es war warm, nur die Reste einer Bora waren noch zu verspüren.  
   
     
  Gleich nach der Ankunft, am Samstag den 23. September 2006 ging es los. 5 Flaschen (4 zum Tauchen und eine für die Belüftung des Trockentauchanzuges) 5 Regler, Trockentauchanzug, Reel, Liftbag, Wing-Jacket, Blei, etc. wollten in eine wohlfeine Ordnung gebracht werden.
 
 
 
  Eine Tauchausrüstung für das technische Tauchen wiegt, je nach Größe der Flaschen, zwischen 50-70 kg. Im Wasser spürt man das Gewicht nicht, aber das Flossenanziehen wird mit 2 Flaschen auf dem Rücken und mit zwei Flaschen an der Seite zur Geschicklichkeitsübung.  
 
 
  Am Sonntag (24. September 2006) ging es zunächst Mal zur Aufnahmeprüfung für den Trimix Instructor Kurs. Obwohl uns Olaf seit langem kannte, hatten wir zunächst nochmals unsere taucherischen Fähigkeiten unter Wasser unter Beweis zu stellen. Da zählte keine Freundschaft und kein Instructor Trainer Brevet, das Siggi und ich besitzen, da zählte nur wie wir tauchten, in diesem Moment, mit 5 Flaschen an einem dran.  
 
 
  Und Olaf wollte alles sehen. Wie wir abtauchen, wie wir unter Wasser schwammen, wie gleichmäßig die Wechselatmung funktionierte, wie lange wir Luft anhalten konnten, wie schnell der Liftbag an die Oberfläche geschossen wurde, wie perfekt die Tarierung war etc. Irgend wann kam das erlösende: „OK, passt Jungs, wir können den Kurs machen“. Wir strahlten, als hätten wir soeben den ganzen Kurs bestanden, dabei hat Olaf nur gesagt, dass er uns nicht in die Wüste schickt. Aber ein Lob von Olaf ist eben was Besonderes.  
 
 
  Es folgten zahllose Stunden im Hörsaal. Olaf’s Skriptum für das Trimix Tauchen mit mehr als 100 Seiten wollte durchgearbeitet werden. Es wimmelt vor medizinischen Fachausdrücken. Das Herz, die Lunge, die Arterien und Venen und das Blut wurden in die jeweils kleinsten Bestandteile zerlegt. Wie funktioniert die Atmung, was passiert mit dem Sauerstoff, mit dem Stickstoff, mit den Edelgasen und, für das Trimix Tauchen ganz wichtig, wie verhält sich Helium im Vergleich zu den anderen Gasen im Körper.  
 
 
  Die Trimixtauchgänge dazwischen wurden da fast schon zur Erholung.  
 
 
  Man gewöhnt sich an das Gewicht der Flaschen. Dank der von Olaf entwickelten Ausrüstungskonfiguration KIS (steht für: Keep It Simple) befindet sich die Ausrüstung wirklich dort, wo man sie braucht. Das Wechseln des Reglers, und der damit verbundene Wechseln der Gasgemische unter Wasser, wird zur Routine. Was von rechts kommt, kommt von rechts, was von links kommt, kommt von links. Dieser banal klingende Satz ist das Rückgrad des KIS Systems. Die meisten anderen Ausrüstungskonfigurationen im Technical Diving sind nämlich nicht so durchdacht und das Handling der Ausrüstung entsprechend verwirrender.  
 
 
  Da beim Trimix Tauchen oft keine Tauchcomputer verwendet werden (normale Tauchcomputer können nicht verwendet werden und trimixfähige Tauchcomputer sind sehr teuer), müssen Rechtecksprofile getaucht werden, also: senkrecht runter, unten auf der gleichen Tiefe bleiben und dann wieder renkrecht rauf, selbstverständlich unter Einhaltung der notwendigen Deko-Stops. Trimixtauchen ist daher ideal für die Erkundung von Wracks. Man taucht senkrecht an einer Leine zum Wrack ab, hat dann – je nach berechneten Tauchplan – eine Grundzeit von 10-30 Minuten wo man das Wrack erforscht und taucht dann wieder senkrecht an der Leine hoch. Dabei kommt man spielend auf Dekozeiten vom einer Stunde und mehr, einen Grossteil davon auf den letzten 6 Metern.  
     
  Zu Übungszwecken führten wir meist „Blue Water“ Dekompressionen durch, d.h. ohne zu Hilfenahme von Reel und Liftbag. Mit dem Liftbag ist die Dekompression einfacher. Nach dem Schiessen des Liftbags kann man sich leicht negativ austarieren und bequem am Liftbag abstützen. Auf den Tiefenmesser muss man nur ab und zu, zu Kontrollzwecken, blicken. Bei der Blue Water Dekompression schwebt man hingegen frei im Ozean, ohne Hilfsmittel, nur unter ständiger Beobachtung des Tiefenmessers. Olaf’s Vorgabe waren 25cm. Um diesen Wert durften wir rauf und runter schwanken und das über 30 Minuten und mehr.  
     
  Jeder der meine Tarierübungen vom Tauchkurs her kennt, weiß wovon ich rede, nur werden die Tarierübungen dort mit nur einer Flasche für ca. 1 Minute gemacht, beim Trimixtauchen hat man 4 Flaschen in Balance zu halten und das über eine halbe Stunde!  
 
 
  Kein Brevet ohne Prüfung, und so checkte Olaf Siggi’s und mein Wissen am Ende des Kurses mit 63 Prüfungsfragen ab. Unsere Köpfe rauchten und die Laptops, mit denen die Trimix Berechnungen durchgeführt werden, waren im Großeinsatz.  
 
 
  Danach hieß es „Prüfung bestanden“, Siggi und ich sind nunmehr zur Ausbildung von Tauchern für Trimix berechtigt.  
 
 
  Österreichweit gibt es wahrscheinlich keine 10 Tauchlehrer die die Berechtigung für die Ausbildung mit Trimix haben. Ich freu mich daher, dass ich den Tauchern des ESV Trimixtauchen anbieten kann. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere vom ESV dafür interessieren würde. Für Fragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.  
     
 
Und nun noch ein paar schöne Bilder.
 
   
     
   
 
@ Geri